Tierrechte vs. ZOO & CO Magdeburg // Update: 22.08.2012

Am Donnerstag statte ich der Tierhandlung Zoo & Co Magdeburg (beim Florapark) einen Besuch ab. Hintergrund war, dass ich gerne wissen wollte, wie die Tiere dort gehalten werden. Überall wo Tiere als Ware gehandelt werden, sind meist Missstände zu beobachten.

Als erstes bot sich mir das übliche traurige Bild. Nager, die zum größten Teil in viel zu Glaskäfigen ihr Leben fristen. Als Frischfutter ein Stück Möhre und zur Beschäftigung ein Stöckchen. Was mir negativ auffiel, war eine junge Kaninchenmutter Chinchillamutter, die in einem engen Käfig zusammen mit Ihren Kindern präsentiert wurde. Als nächstes fielen mir mehrere Streifenhörnchen auf, auf die ich zu einem späteren Zeitpunkt genauer eingehe.

Die Trennung nach Geschlechtern…

[pullquote_right]“Die Kernkompetenz der Betriebe ist der Handel mit lebenden Tieren, wobei deren artgerechte Haltung im Mittelpunkt steht.“
(Auszug aus den Unternehmensfakten von Zoo & Co)[/pullquote_right]Ich suchte mir eine Verkäuferin, die mir meine Fragen beantworten sollte. Zunächst interessierte mich, ob alle Tiere nach dem Geschlecht getrennt gehalten werden. Die Verkäuferin teilte mir mit, dass dies bei allen Nagern, der Fall ist. Nur die Hamster werden zusammen gehalten. Da auf dem Informationsschild bei den Hamstern stand, dass Hamster Einzelgänger sind, fragte ich nach dem Grund. Mir wurde erklärt, dass eine Trennung aller Tiere nach Geschlechter zu viel Platz in Anspruch nehmen würde und das die Hamster in diesem Alter (6 Wochen) noch nicht geschlechtsreif sind. Lt. Internetrecherche sind Hamster aber bereits mit 6 Wochen (manchmal aber auch schon eher) geschlechtsreif.
Also unterstellte ich der Verkäuferin, dass sie auch trächtige Tiere verkaufen. Dies wurde nicht verneint, sondern es wurde mir erklärt, dass wenn (natürlich ungewollt) trächtige Tiere verkauft werden, die Jungtiere kostenfrei wieder abgegeben werden können. Dass dieser Vorgehen natürlich auch den Vorteil der kostenlosen Tierbeschaffung hat (was ich aber nicht automatisch unterstellen möchte), habe ich ja bereits in dem Artikel Argumente gegen den Kauf in der Zoohandlung / Tierhandlung beschrieben. Sollte ein trächtiges Tier bereits in der Tierhandlung Junge bekommen, werden diese einzeln gesetzt (so wie es bei dem oben genannten Kaninchen der Fall ist). Das aber nur aufgrund des Platzmangels die Einzelgänger schlechthin – Hamster – zusammen gesetzt werden, ist mir nach wie vor unverständlich.

Umgang mit kranken Tieren…

Als nächstes fragte ich, was mit kranken Tieren passiert. Dort sind bereits von anderen Tierhandlungen Fälle bekannt, wo die Tiere getötet und als Futter für z.B. Schlangen verkauft werden oder an die Züchter zurückgehen. In dieser Zoo&Co-Filiale wurde mir versichert, dass die Tiere von einem Tierarzt behandelt werden. Bis zur Genesung werden die Tiere aus dem Verkauf genommen. Es wurde mir aber auch gesagt, dass der Verkäuferin selbst kein Fall bekannt ist, wo ein Tier krank geworden ist. Meine Einschätzung: Bei einem Verkaufspreis von 5 Euro für Weißratten, würden die Behandlungskosten in keinem Verhältnis zum Verkaufspreis stehen, deshalb bin ich bei dieser Aussage nach wie vor skeptisch.

Tierquälerei für Verkaufsförderung?

Wie weiter oben bereits erwähnt, sind mir als erstes auch mehrere Streifenhörnchen aufgefallen. Zunächst muss ich sagen, dass ich schockiert, dass Streifenhörnchen zum Verkauf angeboten werden. Ich war lange in keiner Tierhandlung, aus diesem Grund war mich nicht bewusst, dass dies wohl der neuste Trend ist.

[pullquote]“Das Wohl des Heimtieres steht dabei im Mittelpunkt, denn bei ZOO & Co. arbeiten, bedeutet Tierliebe und Tierwissen professionell umzusetzen…“
(Auszug aus der Unternehmens-Philosophie von Zoo & Co)[/pullquote] Auch die Streifenhörnchen werden in einem Glaskäfig gehalten. Während meiner gesamten Anwesenheit zeigen vier Streifenhörnchen eindeutige Verhaltensstörungen. Zwei, manchmal drei, Streifenhörnchen rannten die ganze Zeit vor der vorderen Glasscheibe hin und her. Ein anderes Streifenhörnchen nutzte eine Seitenscheibe und rannte dort hin und her. Als ich die Verkäuferin darauf ansprach, entgegnete sie mir, dass es den Tieren an Platz fehlt, sie dadurch unter Streß stehen und sie raus wollen. Als ich sie fragte, warum den Tieren nicht ein größerer Käfig zur Verfügung gestellt wird, sagte sie mir, dass nicht genug Platz da wäre für einen größeren Käfig. Außerdem nannte sie als Ursache, dass die Tiere vor der Glasscheibe hin und her rennen, weil für sie das Glas nicht ersichtlich ist. Ich fragte, warum denn die untere Fläche nicht mit einem für die Streifenhörnchen sichtbaren Stoff verdeckt wird. Darauf meinte sie, dass dann die kleineren Kinder die Streifenhörnchen nicht mehr sehen könnten.

Dabei handelt es sich meiner Meinung nach eindeutig um Tierquälerei. Als Antwort auf meine Frage, warum die Tiere denn überhaupt zum Verkauf angeboten werden, wenn doch die stressfreie Unterbringung in der Tierhandlung nicht möglich ist, erhielt ich die Antwort, dass sich kein Tier so richtig wohl fühlt und die Tiere ja nur bis zu Ihrem Verkauf so gehalten werden. Außerdem beruhigen sich die Streifenhörnchen mit der Zeit wieder.

Ich möchte noch einmal den Slogan von Zoo & Co in Erinnerung rufen „Da geht’s Tier gut“. Nach meinem Besuch kann ich sagen, dass weder ich, noch die Verkäuferin diesen Eindruck haben.

Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass der Tierverkauf aus den Tierhandlungen verbannt werden muss. Tiere sind keine Ware, sie sind lebende, fühlende Geschöpfe, die Ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten werden müssen. Und der richtige Ort dafür ist nicht die Tierhandlung, auch nicht, wenn die Tiere nicht ihr ganzes Leben dort verbringen.

Das Tierschutz stellt eigentlich klare Regeln auf, was die Unterbringung betreffen:

[blockquote]

§ 2 des Tierschutzgesetzes

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.[/blockquote]

 

Ich sehe einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und werde mich nächste Woche mit dem zuständigen Veterinäramt besprechen. Außerdem leite ich meine Eindrücke als Beschwerde an die Hauptgeschäftsstelle von Zoo & Co weiter.

Bitte helft den Tieren und macht eure Erfahrungen öffentlich! Sprecht die Verkäufer in Zoohandlungen an, konfrontiert sie mit Fragen und lasst keine Beschwichtigungen durchgehen.

 

Update vom 22.08.2012:

Nach meiner E-Mail an Zoo & Co erhielt ich eine E-Mail mit dem Angebot eines erneuten privaten Gesprächs in der Filiale. Das Angebot habe ich natürlich gerne angenommen und Zoo & Co heute einen erneuten Besuch abgestattet. Eine freundliche Mitarbeiterin ging nochmal auf die von mir angesprochenen Punkte ein und versprach Besserung. Der Chinchillamutter wurde eine kleine Rückzugsmöglichkeit in den Käfig gelegt, so dass sie und ihre Kinder nicht mehr ständig unter Beobachtung der Ladenbesucher stehen.

An der Trennung der Hamster wird gearbeitet, so dass Hamster unterschiedlichen Geschlechts auch in unterschiedlichen Käfigen sitzen. Eine Einzelhaltung wird aber in der Filiale nicht umgesetzt werden.

Die größte Änderung betrifft die Streifenhörnchen. Diese werden in den nächsten Tagen den Glaskäfig verlassen und in eine große Voliere umziehen. So soll das stereotype Verhalten, dass sich durch stetiges Hin- und Herlaufen zeigt, verhindert werden. Trotz der Verhaltensstörung, deren Ursache häufig ein zu kleiner Käfig und mangelnde Beschäftigung ist, wird der Verkauf nicht eingestellt werden. Zoo & Co möchte die Nachfrage bedienen und wenn der Kunde Streifenhörnchen wünscht, bekommt er diese auch. Lt. Aussage der Zoo & Co-Mitarbeiterin, befinden sich die Streifenhörnchen bereits seit Anfang Juli in der Filiale. Meiner Meinung nach ist dies eine viel zu lange Übergangszeit, in der die Tierchen ohne Auslauf in einem zu kleinen Käfig leben mussten.

Ich nutzte heute auch noch einmal die Chance, um mich über die Versorgung von kranken Tieren zu informieren. Wie bereits bei meinem letzten Gespräch wurde mir auch in diesem Gespräch bestätigt, dass alle Tiere zum Tierarzt gebracht werden, wenn sie krank sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Maus für 1,60 Euro oder ein Fisch krank ist. Es findet keine Tötung der Tiere statt, nur weil diese krank sind, so wie es in anderen Tierhandlungen durchaus üblich ist.

Alle Tiere stammen aus kleiner, unter anderem auch privater Zucht. Tiere aus Massenzuchtanlagen findet man in der Filiale nicht. Es gibt keine direkten Vorgaben, an die die Züchter gebunden sind (z.B. in Bezug auf Inzucht). Sollten sich bei den Tieren vom Züchter Auffälligkeiten zeigen, wird der Züchter kontaktiert.

Aufgrund der Änderungen ist eine Meldung beim Veterinäramt nicht mehr notwendig.

Trotz der Veränderungen, damit es den Tieren in der Filiale etwas besser geht, rate ich vom Kauf ab. Tiere sind keine Ware, keine Spielzeuge, keine Statussymbole, kein Kinderersatz, keine Schmusetierchen usw. und sie sollten nicht im Geschäft zur Schau gestellt werden.

Die erste Anlaufsstelle, wenn jemand sich ein Tier holen möchte, sollten die regionalen Tierheime und Tierschutzvereine sein.

2016-10-15T11:06:43+00:00 18.08.2012|Categories: Magdeburg & Umgebung, Missstände, Tierschutz / Veganismus|Tags: , , , |

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